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Psychische Gefährdung erkennen und handeln: Ein Leitfaden für Führungskräfte

Führungskräfte stehen heute unter besonderem Druck. Sie sollen Leistung sichern, Teams motivieren und gleichzeitig sensibel auf individuelle Belastungen reagieren. Psychische Gefährdungen am Arbeitsplatz spielen dabei eine immer größere Rolle. Wer sie frühzeitig erkennt und richtig handelt, schützt nicht nur Mitarbeitende, sondern auch sich selbst und das Unternehmen. Dieser Leitfaden zeigt, worauf Führungskräfte achten sollten – und wie sie verantwortungsvoll und wirksam mit psychischen Belastungen umgehen können.

Was sind psychische Gefährdungen?

Psychische Gefährdungen entstehen, wenn Arbeitsbedingungen, Organisation oder soziale Faktoren die psychische Gesundheit von Mitarbeitenden beeinträchtigen. Sie wirken oft schleichend und bleiben lange unbemerkt.

Typische Ursachen sind:

  • dauerhaft hoher Arbeitsdruck und Zeitmangel
  • unklare Rollen, Ziele oder Zuständigkeiten
  • häufige Unterbrechungen und permanente Erreichbarkeit
  • Konflikte im Team oder mit Vorgesetzten
  • mangelnde Wertschätzung oder fehlende Unterstützung

Unbehandelt können diese Belastungen zu Stress, Erschöpfung, psychischen Erkrankungen und langfristigen Ausfällen führen.

Die Rolle der Führungskraft

Führungskräfte sind keine Therapeut:innen – aber sie haben eine Schlüsselrolle. Sie gestalten Arbeitsbedingungen, prägen die Teamkultur und sind oft die ersten, die Veränderungen wahrnehmen.

Eine gute Führungskraft:

  • beobachtet aufmerksam, ohne zu kontrollieren
  • spricht Belastungen frühzeitig an
  • kennt ihre Grenzen und verweist weiter
  • schafft ein Klima von Vertrauen und Offenheit

Warnsignale frühzeitig erkennen

Psychische Gefährdungen zeigen sich selten eindeutig. Häufig sind es Veränderungen im Verhalten oder in der Leistung, etwa:

  • Rückzug, Gereiztheit oder Stimmungsschwankungen
  • sinkende Leistungsfähigkeit oder Konzentrationsprobleme
  • erhöhte Fehlerquote
  • häufige Kurzzeiterkrankungen
  • verändertes Sozialverhalten im Team

Wichtig: Einzelne Anzeichen sind kein Beweis. Häufen sie sich oder dauern sie an, sollten Führungskräfte aufmerksam werden.

Richtig handeln: Was Führungskräfte konkret tun können

1. Das Gespräch suchen

Ein wertschätzendes, vertrauliches Gespräch ist oft der wichtigste erste Schritt. Dabei geht es nicht um Diagnosen, sondern um Wahrnehmungen und Unterstützung.

Hilfreich sind:

  • Ich-Botschaften statt Vorwürfe
  • offenes Zuhören
  • konkrete Beobachtungen statt Interpretationen

2. Arbeitsbedingungen prüfen

Belastungen liegen häufig nicht in der Person, sondern im System. Führungskräfte sollten gemeinsam mit Mitarbeitenden prüfen:

  • Arbeitsmenge und Prioritäten
  • Rollen- und Aufgabenklarheit
  • Rahmenbedingungen wie Erreichbarkeit oder Pausen

3. Unterstützung anbieten und weiterverweisen

Führungskräfte sollten wissen, welche Unterstützungsangebote im Unternehmen existieren – etwa EAP, BEM, betriebliche Ansprechpersonen oder externe Beratungsstellen – und diese aktiv empfehlen.

4. Eigene Grenzen kennen

Nicht jedes Problem lässt sich im Führungsalltag lösen. Verantwortungsvoll handeln heißt auch, professionelle Hilfe einzubeziehen und sich selbst zu entlasten.

Psychische Gefährdungsbeurteilung als strukturelle Grundlage

Neben dem individuellen Handeln ist die psychische Gefährdungsbeurteilung ein zentrales Instrument. Sie hilft, Belastungen systematisch zu erfassen und Maßnahmen abzuleiten – unabhängig von einzelnen Personen.

Führungskräfte spielen dabei eine wichtige Rolle, indem sie:

  • Rückmeldungen aus dem Team einbringen
  • Maßnahmen unterstützen und umsetzen
  • Veränderungen transparent begleiten

Prävention statt Reaktion

Je früher psychische Gefährdungen erkannt werden, desto wirksamer lassen sie sich reduzieren. Schulungen, Workshops und Sensibilisierungsmaßnahmen helfen Führungskräften, Sicherheit im Umgang mit dem Thema zu gewinnen und präventiv zu handeln.

Fazit: Verantwortungsvoll führen heißt hinschauen

Psychische Gefährdungen gehören zum Arbeitsalltag – das Wegsehen erhöht Risiken für alle Beteiligten. Führungskräfte, die aufmerksam sind, Gespräche führen und Unterstützung ermöglichen, leisten einen entscheidenden Beitrag zu gesunden Teams und stabilen Unternehmen.

Mit Wissen, Klarheit und den richtigen Strukturen wird psychische Gesundheit zu einer gemeinsamen Verantwortung.

Unterstützung

Möchten Sie Ihre Führungskräfte im Umgang mit psychischen Belastungen stärken? Gerne unterstützen wir Sie mit psychischer Gefährdungsbeurteilung, Schulungen, Workshops und passenden Unterstützungsangeboten.